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Meditation im täg­li­chen Leben

1. Einführung
2. Formale Meditation
2.1 Eine feste Tageszeit
2.2 Ein geeigneter Ort
2.3 Kontakte zu anderen Meditierenden
2.4 Kurzzeitretreats
3. Tägliche Aktivitäten
3.1 Achtsamkeit
3.2 Nahrung für den Geist
3.3 Familie, Freunde und Kolleginnen
4. Alles zu seiner Zeit
5. Veränderungen im Verhalten

Buddha-Dipa Buddha-Statue im Dipabhavan Me­di­ta­ti­ons­zen­trum, Koh Samui

1. Einführung

Der Dalai Lama schreibt in seinem Buch Awakening the Mind, Lightening the Heart, S. 72-73. (Aus dem Englischen über­setzt vom Autor dieses Artikels): „Um un­sere spirituelle Praxis stabil und aus­dauernd zu machen, müssen wir be­stän­dig üben. Ein(e) Schön­wetter- Prak­ti­zie­rende(r) hat nur wenig Aus­sicht ihre/ seine Ziele zu erreichen. Es ist außer­or­dent­lich wichtig, die Lehren Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr um Jahr zu üben. [...] Tat­säch­lich laden oder tan­ken wir wäh­rend der (Medi­ta­tions-) Sitzung unsere Energie wieder auf, um in der Lage zu sein, nach der Sit­zung weiter zu üben.
Je besser wir in der Lage sind, den Geist wäh­rend der Sit­zun­gen zu formen, desto besser werden wir in der Lage sein, danach mit Schwie­rig­keiten umzu­ge­hen.”

Es ist also wichtig, bei einer regel­mäßigen for­malen Me­di­ta­tions­praxis zu bleiben und es ist noch wichtiger, diese Fähig­keiten in unse­re tägli­chen Akti­vi­täten zu über­nehmen. Im Fol­genden wer­den einige Hin­weise gegeben, die hilf­reich für den Beginn oder die Fort­füh­rung einer Medi­ta­tions­praxis außer­halb eines Medi­tations­zen­trums sind.

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2. Formale Meditation

2.1 Eine feste Tageszeit

Die beste Zeit, nach meiner Erfah­rung die einzige mit einiger Er­folgs­aus­sicht, ist der frühe Morgen. Falls not­wendig, stehe früher auf und beginne den Tag nach der Mor­gen­toilette mit Me­di­ta­tion. Der frü­he Morgen ist für viele ohne­hin die beste Zeit zur Medi­tation und es ist dann vielleicht einfacher, Stö­run­gen durch andere Familien­mit­glie­der oder durch von außen kommende Geräusche (z.B. Verkehrs­lärm) zu ver­mei­den.

Die zweitbeste Zeit ist der Abend vor dem zu Bett gehen. Doch sind die Aussichten, bei einer regel­mäßigen Abend­medita­tion zu blei­ben, nicht so gut. Der Abend ist die Zeit für alle mög­lichen Akti­vitäten und Treffen: Freun­de be­su­chen, Essen gehen, Kino- oder Kneipen­be­su­che, gehen häufig mit dem Konsum von Alko­hol oder ande­ren Dro­gen einher. Alko­hol und Medi­ta­tion passen nicht zusam­men, andere Drogen noch weniger. Doch selbst ohne den Kon­sum von Alko­hol oder anderen Drogen werden wir oft spät nach Hause kommen und mü­de sein – viel­leicht zu müde.

Die drittbeste Zeit ist nach der Arbeit, vor den Frei­zeit­ak­ti­vitäten. Doch wäh­rend dieser Zeit werden wir häufig durch andere Familien­mit­glieder, oder not­wen­dige Tätig­keiten wie einkaufen, kochen, an­dere Haus­arbei­ten in An­spruch ge­nom­men. Zusätz­lich sind wir viel­leicht müde oder gestresst von der Arbeit.
Nach meiner Erfahrung ist der frühe Morgen die ein­zige Tages­zeit mit einer gewissen Aus­sicht auf Erfolg, um eine regel­mäßige for­male Me­dita­tions­praxis außer­halb eines Re­treats beginnen oder fort­setzen zu können. Wenn eine Wahl­mög­lich­keit besteht, wähle diese Tages­zeit. Versuche jeden Tag zu medi­tieren, mindestens ½ Stunde. Steht mehr Zeit zur Verfügung, können wir länger sitzen oder eine weitere Medi­ta­tions­peri­ode zu einer anderen Tageszeit einbauen. Es ist kaum mög­lich tiefere Kon­zen­tra­tion mit lediglich ½ Stunde Meditation zu errei­chen, doch 30min. um den Geist zu beruhigen, um zu reflek­tieren was in unserem Leben geschieht, wird uns hel­fen, das Leben so wie es ist leichter anneh­men zu können. Die Not­wen­dig­keit Personen, Situatio­nen und die Umwelt ent­sprechend unserer Vor­lieben oder Abnei­gun­gen zu mani­pulie­ren wird nach­lassen. Wir werden zufrie­dener und zu wert­vollen Kameraden anderer und un­se­rer ‚Selbst’.

Es ist nutzbrin­gend, Medi­tations­peri­oden mit einigen Minuten Lie­bender Güte Me­di­ta­tion zu beenden oder hin und wieder eine gesamte Sitzung dieser Medi­ta­tions­form zu widmen. Dies bringt sehr wohltu­ende Er­geb­nisse.

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2.2 Ein geeigneter Ort für die regelmäßige, for­male Medi­ta­ti­ons­praxis.

Ein Platz ausschließlich für die formale Sitz­me­di­ta­tion. Dies muss selbst­ver­ständ­lich kein geson­derter Raum sein, ledig­lich ein Bereich, viel­leicht deko­riert mit einigen Blumen oder einem Bild, einer Statue oder Ähnlichem.
Nichts Extravagantes sondern ein Ort, an dem mensch gern ist, ein Ort, um ruhig, entspannt, friedlich zu werden, ein Ort frei von Störun­gen, ein Ort, um in sich zu gehen.

2.3 Kontakte zu anderen Meditierenden

Mittlerweile gibt es in vielen Orten im Westen Grup­pen, die sich re­gel­mäßig zu spi­ri­tu­el­ler Ent­wick­lung, viel­leicht ein- oder zweimal pro Woche, zusam­men finden. Es hat nicht not­wen­di­ger­weise eine bud­dhis­tische Gruppe zu sein, so lange sie schwei­gend medi­tieren. Zei­tun­gen, bestimmte Zeit­schrif­ten sowie das Inter­net geben Aus­kunft. Die Unter­stüt­zung einer Gruppe, die Grup­pen­ener­gie, ist sehr hilf­reich, um regelmäßig zu üben.

Da der Bedarf nach Spi­ri­tu­ali­tät zuzu­nehmen scheint, sind mitt­ler­weile viele, viele eso­te­ri­sche Lehren im An­ge­bot. Meiner Mei­nung nach hat Bud­dhis­mus und bud­dhis­tische Medi­tation so wie in diesem Buch vor­ge­stellt, nichts Ge­heim­nis­volles an sich. An­de­re spi­ri­tu­elle For­men, so sie tat­säch­lich solche sind, kann ich nicht beur­tei­len. Eine gewisse Vor­sicht bei der Aus­wahl eines Leh­rers bzw. einer Gruppe kann aller­dings nicht schaden, ins­beson­dere wenn Geld ver­langt wird.
Geld zu verlangen ist nicht von vorn­herein von Übel, schließ­lich müs­sen alle ihren Lebens­unter­halt (der nicht unbe­dingt mehrere Autos und ständige Flug­rei­sen bein­halten muss) verdienen, doch sollte es eine wert­volle Gegen­leistung dafür geben. Frag die Lehrerin, wo und wie lange sie studiert hat, wie lange sie bereits unter­richtet. Finde selbst her­aus, ob der Lehrer für dich ge­eignet ist, ver­traue der Lehrerin nicht nur, weil sie berühmt ist oder andere von ihr erzählt ha­ben. Die Emp­fehlung von U. Vima­la­ramsi, ein Medi­ta­tions­lehrer, lautet: „Der Weg, einen guten Lehrer auszu­wählen ist zu beobach­ten, ob seine Schüler (-innen) liebens­würdig, freund­lich, ange­nehm und hilf­reich sind.” Selbst­ver­ständ­lich sollte die Lehrerin ihre ei­genen Lehren selbst auch prak­ti­zieren. Gibt es keine Me­di­ta­ti­ons­gruppe in der Umge­bung, kannst du viel­leicht selbst eine grün­den.

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2.4 Kurzzeitretreats

Versuche hin und wieder, dich allein oder mit Be­kann­ten in ein Kurz­zeit­retreat zurück­zu­ziehen. Viel­leicht ge­lingt es, ein Wochen­ende schwei­gend der Medi­tation zu widmen. Falls ein gesam­tes Wochen­ende zu lang ist, ver­suche ab und an einen Tag schwei­gend zu ver­brin­gen.

Falls genügend Zeit (im Westen auch Geld) vor­han­den ist, besu­che ein 10-tägi­ges Retreat, viel­leicht einmal im Jahr, um die spi­ri­tu­elle Bat­te­rie wieder aufzu­laden, um die spi­ri­tu­elle Praxis zu festigen. In­zwi­schen gibt es fast über­all, auch im  Westen,  Medi­tati­ons­zent­ren  mit z. T. her­vor­ra­gen­den
Lehrerinnen und Lehrern, von denen viele jahre­lang als Mön­che oder Nonnen in Indien oder Süd­ost­asien gelebt ha­ben. [...]

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Der vollständige Text (12 A4 Seiten) steht unter
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